Petra Lindenmeyer   Malerei - Collagen - Objekte


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contemporary art

Text zur Ausstellung "TatOrt" im Forum für Kunst, Heidelberg

Unter dem Titel „TatOrt“stellen vom 7. 2. 2003 bis zum 2. 3. 2003 fünf KünstlerInnen  (Rosemarie Armbrust-Wermter, Petra Lindenmeyer, Siegfried Reißing, Vesna Sljivljak und Günter Stachowsky) im Forum für Kunst, Heiliggeiststraße 21 aus.

Zu sehen sind nicht nur die Werke selbst, sondern auch  deren Entwicklungsprozess bzw. Aspekte, die zu ihrer Entstehung geführt haben. Der gemeinsame Ausgangspunkt „Orte“ führte zu verschiedenen Möglichkeiten der visuellen Interpretation:

 

Petra Lindenmeyer (Fotoprojekt / Installation)
hat die Orte unseres Alltags untersucht, die uns zu vertraut sind, als dass wir ihnen noch unsere Aufmerksamkeit schenken würden. Zwanzig Personen sollten für sie je eine Bilderserie anfertigen, indem sie Fotos schossen genau in die Richtung, bei der sie beim Klingeln einer Eieruhr schauten. Jede Person fotografierte im Laufe des Tages so genau 10 Bilder ( und zusätzlich ein Selbstportrait mit Datum), wobei allein das Klingeln der Eieruhr über Motiv und Ausschnitt des Bildes entschied – das Querformat war vorgegeben, es sollte ohne nachzudenken sofort auf den Auslöser gedrückt werden.

Aus der Fülle der aus diesen Fotos gewonnen „Einsichten“ wählte die Künstlerin einen Aspekt / Ort aus, der von den meisten Personen als „wohl besonders langweilig“ eingestuft wurde und der trotzdem eine der empfindlichen Stellen zu sein scheint, welche man nicht gern der Öffentlichkeit preis gibt: der eigene Arbeitsplatz am Schreibtisch.

Mit der Installation „Die Assistentin“, eine fast wirklichkeitsgetreu nachgestellte Schreibtisch- bzw. Schalter-Situation, wird der Grenzbereich von Privatem und Öffentlichem Raum ausgelotet. Der Ausstellungsbesucher hat einerseits das Bedürfnis, die Installation genau erkunden zu wollen – offene Handtasche, herumliegender Terminkalender, Zettel, persönliche Fotos usw. machen ihn neugierig – andererseits wird Respekt vor der Privatsphäre (der imaginären Assistentin oder ganz allgemein) gefordert: „Bitte Diskretion !“ -  „Bitte 1 m Abstand!“ – Bitte Rücksicht!“ – „Bitte 2 m Abstand!“......jeder soll für sich selbst entscheiden können, wie weit er sich der Installation nähern möchte. 

Siegfried Reißing (Fotografie)
arbeitet überwiegend auf Kleinbildmaterial und in Farbe. Seine Arbeitsgebiete sind die Architektur und menschliche Hinterlassenschaften. Für seine fotografische Arbeit ist der Ausschnitt, das Detail, die Reduktion des Gesehenen, Ausnutzung von natürlichem Licht und Schatten, ungewöhnliche Farbfindungen, der besondere Blickwinkel interessant. Das Ziel ist geometrische Formen und Flächen zu einem Ganzen zu verschmelzen.

  Die Spur führt vom Tatort zum Auge des Betrachters

Erst flüchtiges Sehen, dann Wahrnehmen, über längere Zeiträume das Zusammenwirken von Licht und Schatten beobachten, Fakten sammeln, verinnerlichen. Aus der Fülle des Geschauten schält sich das Detail heraus, der gewünschte Ausschnitt bzw. das Bild.

Es verknüpft Gegensätze wie Hell und Dunkel, Licht und Schatten und lässt sie zu einem Ganzen verschmelzen.

Eine Komposition von Spannung und Ausgleich, ein Zusammenspiel von Teilen, aufeinander bezogen sein von Farben und Formen, von Linien und Flächen.

Um die Spur deutlich und sogleich transparent zu machen, werden von dem Objekt bzw. TatOrt zwei Positiv-Darstellungen und die entsprechenden Negativ-Abbildungen gewählt.

Das Anliegen besteht darin, deutlich zu machen bzw. Anstoß zu geben, sich mit der Umkehrung von Licht und Schatten auseinander zu setzen.

„Negativ – Licht“ „Positiv – Schatten“

Das Spannungsfeld zwischen dem real abstrakten Bild und dem noch verschlüsselten Negativ erschließt sich somit dem Auge des Betrachters und macht die Ereignisse am TatOrt sichtbar.

 

Günter Stachowsky (Radierung / Fotografie)
„Während eines Aufenthalts in der Weinbaugemeinde Aspiran im französischen Languedoc begegnet G. Stachowsky im Jahr 1999 das erste Mal intensiv dem Motiv der Weingärten und der figurativen Phantastik der Rebstöcke. Er photographiert und zeichnet.
Nach einem Rebstock, den er in das heimatliche Dilsberg gebracht hat, wird seit dem Sommer 2001 mit dem Ziel radiert, ein fünfteiliges, wandelaltarartiges Ensemble zu schaffen.
Zerstörerische Ereignisse unterbrechen im September die Arbeit und verändern die Ausführung. Nach der Fertigstellung der Radierungen in der Tiefdruckwerkstatt werden sie ab November 2001 unter dem Titel Pampre d´Aspiran im Rahmen der Ausstellung Visionen in der Kunst in der (Weinbau-) Gemeinde Hirschberg gezeigt.

 

Rosemarie Armbrust-Wermter (Installation)
Anhand einer Installation demonstriert Rosemarie Armbrust-Wermter ihren künstlerischen Werdegang. Auf Tischen breiten sich ausgewählte Fotos (Kindheit, Reisen), Briefe, Bücher und Objekte aus, die als „Beweisstücke“ die Entwicklung anschaubar machen. Die künstlerische Umsetzung gemachter Erfahrungen findet im Atelier, dem „Tatort“ statt. Die Inspiration ist vielfältig, geschieht bewusst-unbewusst, Zufälle spielen eine Rolle, Vorlieben, die sich z.B. aus Reisen (China) – auch die der Zwillingsschwester - , aus Gesprächen und Briefen ergeben.
Prägend war auch die strenge Disziplin bei der handwerklichen Arbeit mit Ton. Aufschluss über die technische Seite bei der Beschäftigung mit Keramik geben die zahlreichen Glasurproben, die über einen großen Zeitraum entstanden. Sichtbar wird außerdem die Faszination, die die klare Ästhetik asiatischer Kunst und Kalligrafie ausübte. Den Übergang von der Keramik hin zur Malerei und Skulptur zeigt eine Textilarbeit aus der Serie „shangyi“ (chin. Kleid). Die Bilder schließlich (Papier- und Stoffcollagen) haben Zeichencharakter und Ideogramme thematisieren: „Zeit“, „Bewegung“, „Stillstand“. Rosemarie Armbrust-Wermter erarbeitet Zyklen, z.B. „Quintett der blauen Zeichen“, „Tor“.

 

Vesna Sljivljak 
zeigt eine Videoinstallation mit Filmmaterial, das sie in einem Koffer in Sarajewo gefunden hat.

 

Adresse:

Forum für Kunst
Heilig-Geist-Straße 21 ( im Komplex Kulturbrauerei)
69117 Heidelberg
Tel/Fax  06221 / 24023
www.heidelberger-kuenstlergruppe_79.de

Öffnungszeiten: DI bis SO 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr,
DO 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr

 


Vernissage ist am 7.2. 2003, 20.00 Uhr   Einführende Worte von Günter Stachowsky

Musik: Hans-Karsten Raecke (Blas-Metall-Dosen-Harfe)

Künstlergespräch am 27.2.2003 um 19.00 Uhr (mit der VHS)

Ausstellungsdauer: bis 2.3.2003

 

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